Bioblitz 2022

Das Staatliche Naturhistorische Museum, Braunschweig und die GfN nehmen am Projekt Bioblitz 2022 teil und rufen alle Interessierten dazu auf, im Stadtgebiet von Braunschweig so viele Arten wie möglich von Pflanzen, Pilzen und Tieren nachzuweisen. Damit tritt das Museum, unterstützt von der GfN, in einen Wettbewerb mit zahlreichen anderen Museen, die ebenfalls versuchen werden, für ihre Städte die meisten Meldungen zu generieren. Die dabei spielerisch erhobenen Funddaten werden der Grundlagenforschung und dem Naturschutz zur Verfügung stehen.

Über die kostenfreie App ObsIdentify*, die über eine automatische Bestimmungsfunktion verfügt, können alle Naturbegeisterten mitmachen. Allein ein Handy mit einer einigermaßen guten Kamera wird dazu benötigt. Weitere Informationen zum Bioblitz 2022 finden Sie unter LWL / Bioblitz 2022-LWL-Museum für Naturkunde mit Planetarium (lwl-naturkundemuseum-muenster.de) und eine kurze Einleitung zur App ObsIdentify auf Youtube.

Das SNHM und der Vorstand der GfN möchten die Mitglieder der GfN ebenfalls dazu ermuntern, sich an diesem Wettbewerb und an der Erfassung der belebten Natur in und um Braunschweig zu beteiligen, um dem Museum und der Stadt Braunschweig damit zum Erfolg zu verhelfen.

Neben dem SNHM und der GfN, ist auch das Thünen-Institut für Biodiversität als dritter Partner in Braunschweig für diesen BioBlitz mit im Bunde!!!


Zur weiteren Information werden monatlich kleine Tipps gegeben, welche Pflanzen, Tiere oder Pilze gerade besonders zahl- und artenreich zu fotografieren sind:

Aktion: Hummel-Challenge (10.07. bis 28.08.2022)

Die Challenge: So viele verschiedene Hummeln auf so vielen verschiedenen Pflanzen wie möglich fotografieren und mit der App „ObsIdentify“ bestimmen.

Wann? Die Challenge läuft bis 28.08.2022.

Wie? Die kostenlose Bestimmungs-App „ObsIdentify“ herunterladen (hier geht es zum Download), Account anlegen, Fotos von Hummeln machen und hochladen. Die App verrät, um welche Art es sich handelt.
Wie viele Menschen mitmachen, wie viele Arten bereits identifiziert wurden und welchen Platz Sie in der Rangliste haben, können Sie in der App direkt einsehen. Alternativ können die Hummel-Fotos auch über die Website Observation.org hochgeladen werden.

Wer? Jede*r kann mitmachen!
Erzählt gerne auch anderen von der Challenge und verbreitet die Info in euren Netzwerken. Wir freuen uns über alle, die teilnehmen.

Warum? Wir testen im Rahmen der Challenge, ob und wie Bestimmungsergebnisse von Gelegenheitsbeobachtungen in ein bundesweites Wildbienen-Monitoring integriert werden können. Hummeln zählen zu den wichtigsten Bestäubergruppen sowohl für die Landwirtschaft, und damit für viele unserer Lebensmittel, als auch für viele Wildpflanzen. Durch das Fotografieren der Insekten kann jede*r etwas zu dem Wissen über ihre Verbreitung beitragen. Die Challenge findet in Kooperation mit der Naturbeobachungsplattform Observation.org statt.

Weitere Informationen rund um die Hummel-Challenge finden Sie hier:
https://wildbienen.thuenen.de/mitmachen/hummel-challenge-2022/
https://www.thuenen.de/de/

September: Nachtfalter melden

"Nur eine Motte?" Nein, Nachtfalter sind spannend, vielfältig und wichtig für unsere Ökosysteme.
Das aktuelle Problem des Rückgangs der Biodiversität betrifft auch die Nachtfalter. Oft sind die Arten auf bestimmte einheimische Pflanzen spezialisiert. Ein artenreiches Biotop ist also essenziell, um Futter für verschieden Falterarten zu bieten. Die trophische (die Ernährung betreffend) Interaktion in einem Ökosystem ist komplex. Die Nachtfalter ernähren sich von vielen unterschiedlichen Pflanzenarten und von den Faltern und anderen Insekten ernähren sich wiederum die Vögel. Das ist nur ein kleiner Ausschnitt aus einem Nahrungsnetz, zeigt aber, wie wichtig es ist, nicht nur einzelne Arten, sondern die Artenvielfalt zu schützen. Um gezielte Schutzmaßnahmen ergreifen zu können, müssen die Bestände beobachtet werden.
Auch Citizen Scientists können wertvolle Daten für die Wissenschaft liefern. Bitte melden Sie so viele Nachtfaltern wie möglich.

August: Wanzen melden

Der August eignet sich besonders gut, um die Vielfalt der Wanzen zu beobachten und die Beobachtungen bei Observation.org zu melden.
In Deutschland gibt es fast 900 Wanzenarten, darunter die bekannte und gefürchtete Bettwanze. Christopher Mollmann (Masterstudent der Landschaftsökologie, WWU Münster) kennt sich mit Wanzen aus. Er erklärt: „Die Wanzen ernähren sich überwiegend pflanzlich, einige leben räuberisch. Spannend ist, dass bei uns nahezu alle terrestrischen Habitattypen von Wanzen besiedelt werden. Aber auch in Gewässern sind eine ganze Reihe an Arten vertreten. Da viele Wanzen auf bestimmte Lebensräume spezialisiert sind, eignen sie sich sehr gut als sogenannte Bioindikatoren mit denen man die Wertigkeit eines bestimmten Lebensraumes feststellen kann.“ Mollmann weist neben der Gefährdung der Insekten auch speziell auf die Gefährdung vieler Wanzenarten hin: „Grund hierfür ist beispielsweise eine zu intensiv genutzte Kulturlandschaft.“
 

Juli: Tagfalter melden

Tagfalter sammeln Nektar und Pollen von Blütenpflanzen und gehören somit zu den Bestäubern. Die Intensivierung der Landwirtschaft und die Trockenlegung von Wiesen bereiten den Faltern Probleme, da ihr Nahrungsangebot eingeschränkt wird. Umso wichtiger ist es, die Entwicklung der Falterpopulationen zu beobachten, um auf Grundlage der Ergebnisse effiziente Schutzmaßnahmen
entwickeln zu können.
„Der Klimawandel führt dazu, dass sich manche Arten wie z.B. der Kaisermantel oder das Waldbrettspiel ausbreiten. Auch hierzu können Bürgerwissenschafler:innen wertvolle Daten für die Wissenschaft liefern“, sagt Armin Dahl, Schmetterlingsexperte von der Arbeitsgemeinschaft Rheinisch-Westfälischer Lepidopterologen e.V. „Die gesammelten Daten werden für die Forschung und den Naturschutz genutzt. Dazu kann man seine Beobachtungen ganz einfach bei Observation.org speichern oder die App ObsIdentify benutzen. Alle Daten gehen automatisch in den BioBlitz 2022 ein“.
Die Faltersaison beginnt schon im Mai, wenn die Falter aus ihren Puppen schlüpfen. Nur eine Handvoll Arten wie zum Beispiel der Zitronenfalter oder der Kleine Fuchs sind fast ganzjährig im Falterstadium zu beobachten. Von einigen Tagfalterarten kann man im Jahr sogar zwei Generationen beobachten. So lässt der Braune Feuerfalter seine erste Faltergeneration schon Anfang Mai und die zweite Generation ab Anfang Juli fliegen. Auch beim Mauerfuchs, Faulbaum-Bläuling und Landkärtchen läuft es so ähnlich ab.

Juni: Hummeln, Bienen und Co

Insekten sammeln Nektar und Pollen von Blütenpflanzen und bestäuben durch ihre Berührungen das weibliche Blütenorgan mit den gesammelten Pollen. In tropischen Regionen benötigen über 70 Prozent der über 1.300 Feldfrüchte Bestäubung durch Insekten. In Europa werden sogar 85 Prozent der über 260 angebauten Feldfrüchte durch Insekten bestäubt. Bedeutend sind dabei Wild- und Honigbienen, aber auch Schmetterlinge, Schwebfliegen, Wespen oder Käfer. Sie alle tragen zur Bestäubung bei.
Da rund 50% der Fläche der Bundesrepublik Deutschland landwirtschaftlich genutzt werden, kommt der Landwirtschaft eine bedeutende Rolle für die Erhaltung der biologischen Vielfalt zu, von der sie selbst enorm profitiert. Man weiß jedoch, dass der hohe Pestizid- und Düngereinsatz und das Verschwinden von wertvollen Strukturen wie Hecken, Graswegen, Feldrändern und Baumreihen in der intensiven Agrarlandschaft für einen Rückgang der biologischen Vielfalt verantwortlich sind.
In Europa sind bereits neun Prozent aller Schmetterlinge und Wildbienen bedroht, ihre Populationen weisen Bestandsrückgänge von über 30 Prozent auf, in Deutschland sind sogar über 50 Prozent dieser Arten im Bestand gefährdet.

Mai: Wiesenblumen

„In Braunschweig ist der Mai ein guter Zeitpunkt, um sich auf die Suche nach wilden Wiesenblumen zu machen“, sagt Dipl. Biologin Corinne Buch. Die Wissenschaftlerin vermisst die ehemals typischen farbenprächtigen Wildblumen aus der Kindheit. „Durch den globalen Wandel und Prozesse wie zum Beispiel der Landnutzungswandel verbunden mit erhöhtem Nährstoffeintrag und intensiver Landnutzung verändern sich Artengemeinschaften auf unseren Wiesen. Doch gerade jetzt ist es besonders wichtig den Zustand dieser besonderen Lebensräume zu beobachten.“
Je nach Standort und Artenzusammensetzung wird zwischen Feuchtwiesen, Bergwiesen, Magerrasen und Halbtrockenrasen oder sogenannte Fettwiesen unterschieden. Buch erklärt: „Mit letzteren sind jedoch nicht die rein grünen, artenarmen ‚Grasäcker‘ gemeint, sondern artenreiche, wenig oder gar nicht gedüngte Wiesen auf natürlicherweise eher nährstoffreichen Standorten.“ Je intensiver die Nutzung ist, desto geringer ist die Artenvielfalt einer Wiese, da nur spezialisierte Pflanzen vorkommen. Traditionell genutzte, nur mäßig gedüngte Fettwiesen können hingegen sehr blütenreich und bunt sein.
Sowohl die Wiesenkräuter wie Hahnenfuß, Labkraut, Glockenblumen und Klee als auch ihre tierischen Besucher können mit einem Foto in der App ObsIdentify bestimmt werden. Dabei ist es wichtig, sowohl die Blüten, wie auch die Blätter zu fotografieren, da diese zur Bestimmung wichtig sind.

April: Pflanzen des Frühlings

Pflanzen, die zwischen Januar und April ihre ersten Blüten und Blätter zeigen, werden als Frühblüher oder Frühlingsgeophyten bezeichnet. Als typischer Frühblüher ist das Buschwindröschen charakteristisch für Buchen- und sommergrüne Eichenwälder Europas. „Auf basenreichen Böden gibt es aber auch das Gelbe Windröschen (Anemone ranunculoides) sowie im Siedlungsraum als verwilderte Gartenpflanze das Violette Balkan-Windröschen (Anemone blanda)“, verrät Dipl. Biologin Corinne Buch. Also Augen auf! Im Frühling gibt es viel zu entdecken.

Mit der Bestimmungsapp ObsIdentify von Observation.org kann man ganz einfach diese und auch andere Frühblüher wie Lärchensporn, Schlüsselblumen, Gelbsterne, Scharbockskraut und Sternmieren bestimmen. Diese und viele andere profitieren im Frühjahr, vor dem Kronenschuss der Bäume, von der Lichteinstrahlung und Wärme direkt über dem Boden.

März: Frösche, Kröten, Molche und Salamander

Die heimischen Amphibienarten wandern in diesen Tagen zu ihren Laichgewässern. Für sie beginnt eine wichtige Zeit. „Sie kehren aus ihren Winterquartieren zu den Gewässern zurück, in denen sie aus dem Laich geschlüpft sind“, erklärt Dr. Christian Göcking von der NABU-Naturschutzstation Münsterland. „An vielen Stellen bedroht aber der Verkehr die Wanderung. Viele Tiere werden überfahren oder sterben bei dem Versuch, Straßen zu überqueren.“ Aus diesem Grund gibt es an vielen Straßen Amphibienzäune. Sie werden von ehrenamtlich tätigen Menschen betreut. Mithilfe der Zäune werden viele Amphibien gerettet.
Aufmerksame Beobachter*innen können die Amphibien auch bei Besuchen im Wald oder an Gewässern bei geeignetem Wetter im Frühjahr gut beobachten.

Februar: Moose und Flechten

Für viele Pflanzen, Tiere und Pilze hat die Saison noch gar nicht richtig begonnen. Trotzdem gibt es schon jetzt viel zu entdecken: Winterpilze, Flechten und Moose fallen ins Auge, wenn man offenen Auges durch die Städte oder durch die Natur läuft. Wer mittels der App ObsIdentify diese Funde melden möchte, muss gute Fotos machen. Manche dieser Funde lassen sich tatsächlich gut per App bestimmen und manchmal sind sogar Besonderheiten dabei. Trotzdem muss man sich klarmachen, dass viele Pilze, Flechten und Moose nur mikroskopisch bestimmbar sind. Doch jeder kann sein Glück versuchen, vielleicht ist etwas Spannendes dabei.

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